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Pressemitteilungen der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle
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Mipcom '99:

Nationale TV-Fiktionsprogramme zurück in der Primetime

Die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle mit Sitz in Straßburg veröffentlicht die 1999er Ausgabe des Berichtes „EUROFICTION. Television Fiction in Europe". Anhand der 1998 auf den großen nationalen Sendern gelaufenen Erstausstrahlungen untersucht der Bericht die inländische Produktion fiktionaler Fernsehprogramme auf den fünf führenden europäischen TV-Märkten (Deutschland, Vereinigtes Königreich, Frankreich, Italien und Spanien). Hinzu kommen Sonderbeiträge über die Schweiz, Dänemark und Rußland.

Programmierung von fiktionalen Fernsehprogrammen

1998 stieg die Zahl der während der Hauptsendezeit ausgestrahlten einheimischen Fiktionen gegenüber dem Vorjahr erheblich an. Auf die Primetime entfielen 3412 Episoden, d.h. 46 % der Gesamtproduktion, was einem Anstieg von 13 % entspricht, der darauf zurückzuführen ist, daß gegenüber dem Vorjahr 380 Episoden mehr ausgestrahlt wurden. Hingegen wurden außerhalb der Hauptsendezeit rund 400 national produzierte Episoden weniger ausgestrahlt. Aus diesen Zahlen läßt sich ein eindeutiger Trend hin zur Produktion anspruchsvollere einheimischer Fiktionen ableiten. Der Sättigungsgrad für die Ausstrahlung inländischer Fiktionen in der Primetime schwankt jedoch stark. Die einwöchige Verfolgung sämtlicher fiktionaler Programme, gleichgültig ob Erstausstrahlungen oder Wiederholungen, nationale oder ausländische Produktionen, ergab, daß im Vereinigten Königreich die Primetime-Sendeplätze für Fiktionen bereits zu 89 % mit nationalen Produktionen bestückt waren, während Italien lediglich 17 % mit inländischen Produktionen füllte (Deutschland: 69 %, Frankreich: 47 %, Spanien: 50 %).

Quelle: Eurofiction

Stetige Zunahme des Produktionsvolumens

1998 lag das Angebot an Erstausstrahlungen einheimischer Fiktion in den fünf erfaßten Ländern erstmalig über der 5000-Stunden-Grenze; insgesamt wurden 876 verschiedene Titel produziert. Dieser 7prozentige Anstieg gegenüber dem Vorjahr beweist, daß das Gesamtumfeld für Fernsehproduktionen in Europa weiterhin günstig ist. Die nachlassende Anziehungskraft amerikanischer TV-Fiktion für das breite Publikum, der unverhältnismäßige Preisanstieg für Film- und Sportübertragungsrechte sind zusammen mit dem Erfolg inländischer Fiktionen bei einheimischen Zuschauern die wichtigsten Ursachen dieser Entwicklung. Jedoch deutet die Verringerung der Zuwachsrate von 16 % (1996-1997) auf weniger als die Hälfte möglicherweise darauf hin, daß die von den wichtigsten Kunden (den großen nationalen Veranstaltern) bereitgestellten Budgets, steigende Produktionskosten, der Mangel qualifizierter Arbeitskräfte und das relativ hohe Floprisiko bereits hemmende Auswirkungen auf die Wachstumsdynamik zeigen.

* Die Zahl für 1998 schliesst Canal+ und Arte mit ein, die in den Vorjahren nicht erfasst wurden. Ohne Canal+ und Arte ergeben sich 547 Stunden.
Quelle: Eurofiction

Erhebliche Schwankungen zwischen den Ländern

„Der EUROFICTION-Report 1999 vermittelt ein klares Bild über die enormen quantitativen und strukturellen Unterschiede zwischen den nationalen fiktionalen Produktionen in den führenden fünf untersuchten europäischen Ländern", erklärt Prof. Milly Buonanno, Herausgeberin des Berichtes und Koordinatorin des EUROFICTION-Projekts.

Fast zwei Drittel der 5095 Stunden wurden in Deutschland und im Vereinigten Königreich produziert. Auf Frankreich und Italien - die beiden Länder mit dem geringsten Produktionsvolumen - entfielen weniger als 20 %. Hinter der Gesamtwachstumsrate von 7 % zwischen 1997 und 1998 (16 % im Vorjahr) verbirgt sich ein fortschreitender Produktionsrückgang in Frankreich, wenn man die Produktion für Canal+ und Arte (wie in den Vorjahren) aus der Betrachtung herauslässt. Die rückläufige Entwicklung – 20 % innerhalb von zwei Jahren – wird durch die spanische Fernsehindustrie ausgeglichen, die ihre Produktion im selben Zeitraum fast verdoppelte.

Zu den relativ koproduktionsfreundlichen Ländern zählen Frankreich, Italien und Deutschland, wo jeweils 31 %, 30 % und 25 % der programmierten inländischen Erstausstrahlungen koproduziert wurden, während das Vereinigte Königreich (10 %) und vor allem Spanien (3 %) zu den eher koproduktionsfeindlichen Ländern gehören.

Weitere signifikante Unterschiede ergeben sich aus dem unterschiedlichen Verhältnis zwischen dem gesamten Produktionsangebot und der Stunden-, Titel- und Episodenzahl. Das größte Gefälle tritt zwischen Spanien und Frankreich auf: Spanien produzierte pro Titel durchschnittlich 43 Episoden mit einer mittleren Länge von 36 Minuten, während Frankreich pro Titel lediglich drei Episoden von durchschnittlich 61 Minuten Länge herstellte. Diese Unterschiede ergeben sich aus der fast entgegengesetzten Tradition der Formatpräferenz. Während Frankreich vorwiegend kleinere Formate wie Fernsehfilme, Miniserien oder Kurzserien produziert, werden in Spanien hauptsächlich Seifenopern (Soaps) und lange Serien hergestellt, was sich beschränkend auf Zahl und Vielfalt der Titel auswirkt.


Quelle: Eurofiction

 

Das EUROFICTION-Projekt

Das EUROFICTION-Projekt ist ein mehrjähriges Forschungs- und Beobachtungsprogramm, das von der Fondazione Hypercampo, Gründungspartnerin der Universität Florenz, und der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle koordiniert wird. EUROFICTION ist als Nebenprodukt der mehrjährigen Tätigkeit des Osservatorio sulla Fiction Italiana entstanden. Es stützt sich auf die regelmäßige Mitarbeit von fünf nationalen Teams. Der EUROFICTION-Arbeitsgruppe gehören neben dem italienischen Team das INA und der CSA (Frankreich), die Universität Siegen (Deutschland), das BFI (Vereinigtes Königreich) und die Università Autonoma di Barcelona (Spanien) an.

Der EUROFICTION-Report wird von der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle veröffentlicht.

EUROFICTION, Television Fiction in Europe. Report 1999
247 Seiten, 4 500,- FRF, 686,- EURO

erhältlich bei der
Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle
76 allée de la Robertsau . F-67000 STRASBOURG
Tel.: +33 (0) 3 90 21 60 00. Fax: +33 (0) 3 90 21 60 19.
E-Mail: obs@obs.coe.int