Pressemitteilung
Strassburg, den 18. Oktober 2002

Steigende öffentliche Förderung für die europäische Filmindustrie bei verschlechterter
Finanzlage der Unternehmen
- Die öffentliche Förderung von Filmen und audiovisuellen Produktionen in
Europa ist im Zeitraum 1997-2001 durchschnittlich um 10% pro Jahr gestiegen.
- Zwischen 1997 und 2000 konnten die großen Unternehmen der europäischen Filmindustrie
ihre Betriebsspanne nahezu verdoppeln, aber die Renditekennzahlen haben sich
deutlich verschlechtert.
- Europäische Produktionsfirmen, Vertriebsunternehmen und Kinobetreiber zeigten
sich in gleichem Maße wenig rentabel; die Herausgeber und Vertreiber von Videos
waren der einzige Zweig der Filmindustrie, in dem die Gewinnspannen gehalten
wurden.
Mit der Veröffentlichung des dritten Bandes des Jahrbuchs
2002 unter dem Titel ,,Film und Videoindustrie" liefert die Europäische
Audiovisuelle Informationsstelle erstmalig eine detaillierte Analyse der
finanziellen Situation in der Filmindustrie der Europäischen Union. Ebenfalls
in diesem Band enthalten ist eine neue und einzigartige Übersicht über
die öffentliche Filmförderung in Europa für den Zeitraum 1997-2001.
Zunehmende Verschuldung und sinkende Rentabilität in der Filmindustrie der
Europäischen Union
Die finanzielle Situation der 50 größten Filmunternehmen in der Europäischen
Union, von denen viele branchenübergreifend tätig sind, gibt einen guten Aufschluss
über den derzeitigen Trend in der Filmindustrie. Im Zeitraum 1997 bis 2000 haben
sich das Aktivvermögen und die Betriebserträge dieser Unternehmen nahezu verdoppelt.
Abb. 1: Aktivvermögen und Betriebsertrag der Top-50-Unternehmen der
Filmindustrie in der Europäischen Union (1997-2000) - (In Millionen EUR)

Quelle: Europäische Audiovisuelle Informationsstelle (Begriffsdefinitionen
siehe hier)
Dieser Investitionszeitraum wird jedoch von einer sinkenden Rentabilität und
folglich von einem steigenden Verschuldungsgrad gekennzeichnet. Trotz vergleichsweise
stabiler Kosten ist die Rentabilität der 50 größten Unternehmen bis zum Jahr
2000 auf praktisch null zurückgegangen.
Ein differenzierteres Bild ergibt sich bei einer Auswertung nach Branchen,
siehe nachfolgenden Vergleich der Gewinnspannen in den verschiedenen Branchen.
Abb. 2: Gewinnspannen in den verschiedenen Branchen der Filmindustrie der
Europäischen Union (1997-2000) - ( In % )
Quelle: Europäische Audiovisuelle Informationsstelle (Begriffsdefinitionen
siehe hier)
Der Produktionszweig der europäischen Filmindustrie
scheint sich nahe an der Grenze zur Unwirtschaftlichkeit zu bewegen ...
Im Zeitraum 1997-2000 sind Aktivvermögen und Betriebserträge der Filmproduktionsunternehmen
um über 50% gestiegen. Beim Betriebsertrag (der im allgemeinen als aussagekräftiger
Indikator gilt, da er aktivierte Produktionen und Förderungen einschließt) gab
es jedoch über diesen Zeitraum enorme Schwankungen und die Renditen waren, obgleich
relativ stabil, mit Werten zwischen +1% und -1% durchweg sehr niedrig.
... während der Verleih eine größere Stabilität aufweist
Im Jahr 2000 waren die Finanzindikatoren für den Verleih in der Regel positiv.
Für eine Auswertung der Zahlen in diesem Zweig muss zwischen rein europäischen
Unternehmen und Tochtergesellschaften von amerikanischen Unternehmen, die auf
dem europäischen Markt aktiv sind, unterschieden werden. Beim Aktivvermögen
und dem Betriebsertrag konnten die rein europäischen Unternehmen wesentlich
stärkere Zuwächse als die amerikanischen Tochtergesellschaften erzielen. Aus
diesem Grund weisen die europäischen Unternehmen auch eine deutlich höhere Betriebsspanne
aus. Nichtsdestotrotz konnten die amerikanischen Tochtergesellschaften dies
durch ihre Finanzgeschäfte ausgleichen und letztendlich höhere Gewinnspannen
sowie höhere Erträge aus Eigenkapital und Aktivvermögen erzielen.
Die Kinobesucherzahlen in Europa steigen, aber
Multiplex-Investitionen haben die Kinobetreiber geschwächt
Obwohl die Zahl der verkauften Kinokarten in der Europäischen Union zwischen
1997 und 2000 um geschätzte 21% gestiegen ist, war der Kinobetrieb im Jahr 2000
der finanziell anfälligste Zweig der Filmindustrie. Obwohl Aktivvermögen und
Betriebserträge der Kinobetreiber insbesondere in Verbindung mit Multiplexkinos
deutlich gestiegen sind, weisen die Renditekennzahlen negative Werte aus. Zwar
liegen für das Jahr 2001 noch keine vollständigen Zahlen vor, aber laut Aussage
der großen Ketten scheint sich die Finanzkrise dieser Branche auch 2001 fortgesetzt
zu haben. Obwohl Berichte von großen Ketten wie Cinemaxx und Kinepolis für das
erste Halbjahr 2002 eine schrittweise Rückkehr zu finanziell gesunden Verhältnissen
andeuten, lässt der Insolvenzantrag der Ufa-Theater GmbH im Oktober 2002 vermuten,
dass dieser Aufschwung ein langwieriger Prozess sein wird.
Abb. 3: Performancekennzahlen der Kinobetreiber in der Europäischen Union
(1997-2000) - (In %)
Quelle: Europäische Audiovisuelle Informationsstelle (Begriffsdefinitionen
siehe hier)
Der Videobereich, der Zweig der Filmindustrie mit
den besten Ergebnissen, ist auch der am stärksten von den großen US-Firmen dominierte
Bereich.
Veröffentlichung und Vertrieb von Videos ist der Zweig der Filmindustrie, der
am stärksten von Tochtergesellschaften amerikanischer Konzerne dominiert wird.
Von den Top-50-Unternehmen werden 30 ganz oder teilweise von den amerikanischen
Major Companies dominiert. Während die Performancekennzahlen 1998 vermutlich
auf Grund der gestiegenen Betriebs- und Investitionskosten für die Einführung
der DVD noch zurückgegangen waren, haben sich die Unternehmen seit 1999 schnell
erholt, so dass dies der derzeit erfolgreichste Zweig der Filmindustrie ist.
Die öffentliche Förderung von Filmen und audiovisuellen Produktionen in Europa
ist zwischen 2000 und 2001 um geschätzte 13% gestiegen
In diesem Band des Jahrbuchs
veröffentlicht die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle erstmalig
eine Übersicht über die Entwicklung der öffentlichen Förderung von Filmen
und audiovisuellen Produktionen für den Zeitraum 1997-2001.
Während die finanzielle Situation der europäischen Filmunternehmen durch eine
gewisse Instabilität gekennzeichnet ist, weist das Volumen der öffentlichen
Filmförderung in Europa in besagtem Zeitraum einen konstanten Trend nach oben
aus. Zwischen 1997 und 2001 sind die öffentlichen Fördermittel für Filme und
audiovisuelle Produktionen in der Europäischen Union um 45% gestiegen. In den
beiden letzten Jahren war dieser Anstieg stabil (10% im Jahr 2000, 11% im Jahr
2001). Die höchsten Wachstumsraten sind allerdings in den Nicht-EU-Staaten zu
verzeichnen, für die entsprechende Zahlen vorliegen. Dort sind zwischen 2000
und 2001 die bewilligten Fördermittel um geschätzte 45% gestiegen.
Nur 5% der gesamten Fördermittel in Europa entfallen
auf Nicht-EU-Staaten.
Trotz des starken Anstiegs der öffentlichen Förderung in den Nicht-EU-Staaten
machten diese 2001 nur 5% des Gesamtvolumens aus. Dagegen wurden knapp 77% der
Förderung von den fünf größten Märkten (Frankreich, Deutschland, Spanien, Großbritannien
und Italien) in Anspruch genommen. Über ein Drittel des verfügbaren Gesamtvolumens
in den 25 untersuchten europäischen Staaten ist allein auf Frankreich entfallen.
Abb. 4: Entwicklung des Gesamtvolumens der öffentlichen Förderung für Filme
und audiovisuelle Produktionen in Europa (1997-2001) - (In Tsd. EUR)
Quelle: Europäische Audiovisuelle Informationsstelle / Datenbank KORDA
In dem Kapitel über öffentliche Förderung liefert das Jahrbuch
auch detaillierte Zahlen zu den Budgets der meisten regionalen, nationalen
und internationalen Fördereinrichtungen in Europa. Dazu gehören pro Fördereinrichtung
eine Aufschlüsselung nach automatischer und selektiver Förderung sowie
Angaben zur Aufschlüsselung der bewilligten Beträge nach Förderstadium,
von der Entwicklung bis zur Kinovorführung.
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EUROPÄISCHE AUDIOVISUELLE INFORMATIONSSTELLE, Straßburg, Frankreich
Jahrbuch 2002 - Film, Fernsehen, Video und Multimedien in Europa, Ausgabe
2002,
Bd. 3, "Film- und Videoindustrie", S.112 ff, ISBN 92-871-4874-0, 80
€,
Europäische Audiovisuelle Informationsstelle, Straßburg, 2002.
Für weitere Informationen über das Jahrbuch, klicken Sie hier.
Ansprechpartner:
- André Lange (Abteilungsleiter Markt- & Finanzierungsinformationen) -
Andre.LANGE@coe.int - Tel.: +33 (0)3 88 14 44 00
- Kees Bakker (Öffentliche Förderung)
- Tel.: +33 (0)3 88 14 44 07
- Susan Newman (Märkte) - Susan.NEWMAN@coe.int - Tel.: +33 (0)3 88 14 44 15
Die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle
Im Dezember 1992 gegründet, hat es sich die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle
zur Aufgabe gemacht, Informationen über die audiovisuelle Industrie in Europa
zusammenzutragen und zu veröffentlichen. Als öffentliche europäische Einrichtung
umfasst die Informationsstelle derzeit 35 Mitgliedstaaten sowie die Europäische
Union. Sie agiert innerhalb des Rechtsrahmens des Europarats und arbeitet mit
diversen Partnern, Berufsverbänden der Industrie und einem Korrespondentennetzwerk
zusammen. Zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten gehören neben Konferenzbeiträgen
die Veröffentlichung von Statistiken und Newslettern, die Zusammenstellung von
Datenbanken sowie die Bereitstellung von Informationen auf ihren Internetseiten.
Hinweise an Redakteure
Methodologie der in dieser Pressemitteilung vorgestellten Finanzanalyse
Die Finanzanalyse der europäischen Filmindustrie basiert auf einer Zusammenstellung
der Jahresabschlüsse von über 4.700 Unternehmen, die in der Datenbank AMADEUS
erfasst (herausgegeben von Bureau Van Dijk Publishing) und von der Europäischen
Audiovisuellen Informationsstelle als aktive Unternehmen der Filmindustrie identifiziert
wurden. Zu diesen Informationen gehören auch Daten von Tochtergesellschaften
amerikanischer Unternehmen, die in der EU angesiedelt sind. Obwohl die verfügbaren
Daten mancher Länder (insbesondere Dänemark, Deutschland, Irland und die Niederlande)
Lücken aufweisen, sind Vollständigkeit und Qualität der Informationen hinreichend
hoch, um zuverlässige Aussagen über die wesentlichen Trends zu machen.
Eingesetzte Methodologie für die in dieser Pressemitteilung vorgestellten
Analyse der öffentlichen Filmförderung
Die Analyse der öffentlichen Förderung stützt sich auf den Daten aus der Datenbank
KORDA, eine neue Datenbank über die öffentliche Förderung von Filmen und audiovisuellen
Produktionen in Europa, die von der Informationsstelle im März 2002 in einer
Testversion online zugänglich gemacht worden ist. Die Informationen in der Datenbank
werden von der Informationsstelle direkt bei den Fördereinrichtungen erhoben.
Die Online-Testversion der KORDA-Datenbank ist für die Öffentlichkeit verfügbar
unter http://korda.obs.coe.int.
Die im Jahrbuch
vorgestellten Daten über öffentliche Förderung umfassen sowohl Fördermittel
für verschiedene Zweige der Filmindustrie als auch für audiovisuelle Produktionen.
Nicht enthalten sind die öffentliche Finanzierung von öffentlich-rechtlichen
Rundfunkanstalten und die Investitionen in öffentliche Steuervergünstigungsprogramme
in einigen Ländern Europas.
Definitionen der Finanzindikatoren:
| Betriebsertrag: |
Umsatz + aktivierte Eigenleistung + andere Erträge (inkl.
Förderungen) |
| Gewinnspanne (%): |
(Ergebnis vor Steuern / Betriebsertrag) X 100 |
| Betriebsspanne (%): |
(Betriebsergebnis / Betriebsertrag) X 100 |
| Ertrag aus Aktivvermögen (%):
|
(Ergebnis vor Steuern / Aktivvermögen) X 100 |
| Eigenkapitalertrag (%): |
(Ergebnis vor Steuern / Eigenkapital) X 100 |
Kontakte : alison.hindhaugh@coe.int
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