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Pressemitteilungen der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle
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Pressemitteilung

Straßburg, den 9. Dezember 2008

Suche nach audiovisuellen Inhalten
Europäische Audiovisuelle Informationsstelle veröffentlicht neues IRIS Spezial

 
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Gerade hat Google bekanntgegeben, dass es den Verbreitungsweg einer Grippe durch die Verknüpfung großer Mengen an für Internetsuchen verwandten Daten voraussagen kann. Dieser Umstand zeigt wie wichtig die Internet-Suchfunktionen mittlerweile geworden sind. In einem neuen Bericht untersucht die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle, welche Mechanismen für die Suche nach audiovisuellen Inhalten im Internet zur Verfügung stehen. Der Schwerpunkt des Berichts liegt bei Suchmaschinen und elektronischen Programmführern als "virtuellen Bibliotheken", mit deren Hilfe wir Videoinhalte anhand von Schlüsselwörtern und anderen Suchkriterien finden können.

Angesichts der zentralen Rolle dieser elektronischen Suchmechanismen und ihres Quasimonopols als Portal für Informationen im Internet hat die Informationsstelle einige grundlegende Fragen zu den technischen und rechtlichen Parametern ihrer Funktionsweise in den Raum gestellt. Welche Möglichkeiten gibt es, um diese Suchmechanismen nach universellen Systemen zu standardisieren? Inwiefern werden sie bei der Auswahl der angebotenen Informationen der Informationsfreiheit gerecht? Inwieweit unterliegt ihre Funktionsweise europäischem Recht? Wer kann überhaupt einen Rechtsrahmen für die Suchmechanismen für audiovisuelle Inhalte im Internet adäquat definieren?

Diese neue IRIS Spezial

Suche nach audiovisuellen Inhalten

ist das Ergebnis eines Workshops zu diesem Thema, den die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle und das Institut für Informationsrecht (IViR) der Universität Amsterdam im April 2008 organisiert haben. Die Publikation enthält auch eine ausführliche Zusammenfassung der Ergebnisse dieses Workshops.

Der Bericht bietet eine Analyse der technisch-ökonomischen Herausforderungen für audiovisuelle Suchmaschinen. Dabei werden die spezifischen technischen Herausforderungen für die Suche nach audiovisuellem Material im Internet im Detail untersucht. Anschließend behandelt der Bericht die ökonomischen Aspekte der Internetsuche: die Entwicklung der großen Suchmaschinen, den neu entstehenden Markt für maßgeschneiderte Suchlösungen für Unternehmen, die mobile Suche - Abrufdienste, die über mobile Geräte zur Verfügung stehen. Ramón Compañó, der Autor dieses Kapitels, stellt fest: "Zurzeit gibt es im AV-Suchmarkt eine klare Unterscheidung zwischen Websuche, Business-Lösungen und mobiler Suche. Künftig könnten sich diese Unterscheidungen verwischen."

Die Zukunft der Inhaltsnavigation ist das nächste Thema, das vor dem Hintergrund der gewaltigen Materialfülle und der undurchschaubaren Vielfalt der im Internet verfügbaren Dateiformate behandelt wird. Die Autorin Janet Greco untersucht aktuelle Standards für Metadaten und argumentiert überzeugend für die Entwicklung eines kohärenten Ansatzes, der zu universellen Systemen für die Inhaltsidentifikation führt.

Die Vielzahl suchbarer Informationen, die im Internet frei verfügbar sind, wirft zwangsläufig die Frage nach dem Datenschutz auf. In seinem Kapitel zum Datenschutz und dem Streben nach der perfekten audiovisuellen Suchmaschine beschreibt Michael Zimmer, welche Funktionen eine hypothetische "perfekte Suchmaschine" anbieten würde. Er knüpft daran die Frage an, welche Konsequenzen ein solcher "Super-Suchmechanismus" für Datensicherheit und Datenschutz hätte. Durch die detaillierte Verschlagwortung von Fotos und Filmen, Geocoding und sogar den Vormarsch komplexer Gesichtserkennungs-Tools lassen sich hochgeladene private Bilder nach immer präziseren Suchkriterien auffinden. Nur "wenn die diversen Datenschutzprobleme - durch die Erweiterung unseres Datenschutzbegriffs, durch den politischen Schutz der Privatsphäre und durch ein um Datenschutz bemühtes Design - berücksichtigt werden", können wir Zimmer zufolge "dem Pakt entgehen, bei dem wir für den Zugriff auf universelles Wissen unsere Seele an den Teufel verkaufen".

Die Konsequenzen der Meinungsfreiheit für die verantwortungsvolle Regelung der Suche sind ein weiteres Thema, das unter besonderer Berücksichtigung von Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention behandelt wird. Der Verfasser Joris von Hoboken stellt fest, dass "Suchmaschinen inzwischen generell auch in den Augen europäischer Regulierer und Politiker wichtiger werden." Er gelangt zu dem Schluss, die derzeitige Rechtsunsicherheit bei der Haftung von Suchmaschinen für fremde Inhalte sei "suboptimal", weist aber darauf hin, dass sich "die jüngste Empfehlung des Europarats zu Internet-Filtern als interessanter Ausgangspunkt für die Untersuchung dieser Themen erwiesen hat".

Im nächsten Kapitel analysiert Peggy Valcke die Stellung audiovisueller Suchwerkzeuge im EU-Rechtsrahmen. Sie beleuchtet die bestehenden Bestimmungen zu diesen Mechanismen im EU-Recht, unter anderem in den Richtlinien über audiovisuelle Mediendienste und über den elektronischen Geschäftsverkehr. Sie stellt fest, dass "sowohl die Richtlinien über die elektronische Kommunikation als auch die Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste begrenzte Bestimmungen über das elektronische Programm enthalten […] Dagegen werden Online-Suchwerkzeuge - obwohl sie in den allgemeinen Geltungsbereich der Richtlinie über den elektronischen Geschäftsverkehr fallen - nicht einmal von den Schutzbestimmungen dieser Richtlinie erfasst." Valcke hält jedoch keine revolutionäre neue Gesetzgebung für notwendig, sondern glaubt, dass "den meisten politischen Zielen […] im Zusammenhang mit Suchwerkzeugen durch die Anwendung bestehender und/oder allgemeiner Grundsätze oder Vorschriften angemessen Rechnung getragen werden kann".


Den Schlusspunkt des neuen Berichts bildet eine Analyse der Selbst- und Co-Regulierung im Bereich der Internetsuche von Wolfgang Schulz. Der Verfasser gibt einen prägnanten Überblick über die realen Risiken, die von der Rolle der Internet-Suchmechanismen ausgehen (etwa den Zugang zu schädlichen oder rechtswidrigen Inhalten oder die Nutzung personenbezogener Daten, um nur einige zu nennen). Anschließend untersucht er die möglichen Ansätze für eine Co- oder Selbstregulierung, die einen Beitrag zur Lösung dieser Probleme leisten könnten.

Eine topaktuelle und weitblickende Auseinandersetzung mit der Rolle elektronischer Suchmechanismen. Sie wachen über unsere elektronischen Inhalte, aber wer wacht eigentlich über sie … ?

IRIS Spezial, Ausgabe 2008,
"Die Suche nach audiovisuellen Inhalten", EUR 89
ISBN 978-92- 871-6560-2
Europäische Audiovisuelle Informationsstelle, Straßburg, 2008.

Für weitere Presseinformationen und/oder ein Presseexemplar dieser Publikation (zwecks einer Buchbesprechung), bitte wenden Sie sich an: Alison Hindhaugh, Information & Press Officer, Tel.: +33 (0) 3 88 14 44 10 -- E-mail: alison.hindhaugh@coe.int

Um diese IRIS Spezial zu erwerben oder für ein Abonnement der monatlich erscheinenden Rechtlichen Rundschau IRIS inklusive IRIS plus, klicken Sie hier oder wenden Sie sich bitte an markus.booms@coe.int

Für weitere Informationen zum Inhalt dieser Veröffentlichung, setzen Sie sich bitte mit unserer juristischen Abteilung in Kontakt:
susanne.nikoltchev@coe.int - francisco.cabrera@coe.int


Die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle

Im Dezember 1992 in Straßburg eingerichtet, hat die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle zur Aufgabe, Informationen über den europäischen audiovisuellen Sektor zu sammeln, aufzubereiten und zu veröffentlichen. Als öffentliche europäische Einrichtung umfasst sie derzeit 37 europäische Staaten sowie die Europäische Union, die durch die Europäische Kommission vertreten wird. Die Informationsstelle ist ein Teil des Europarats und arbeitet mit diversen Partnern, Berufsverbänden und einem Korrespondentennetzwerk zusammen. Zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten gehört neben Konferenzbeiträgen die Erstellung von Publikationen, Datenbanken und eine umfassende Internetseite: http://www.obs.coe.int