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Pressemitteilungen der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle
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Pressemitteilung

MipCom, Cannes, Frankreich, 9.10.2001

Produktion von fiktionalen TV Programmen in Europa geht zurück

Die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle, Straßburg, veröffentlicht dieses Jahr zum fünften Mal in Folge den Bericht "EUROFICTION. Fiktionales Fernsehen in Europa".

Sinkende Produktion in den 5 größten europäischen TV-Märkten im Jahr 2000

Die ständig steigenden Produktionskosten und der Trend zu Unterhaltungsprogrammen (insbesondere zu den sogenannten Game-Shows und Reality-Shows) haben sich im Jahr 2000 deutlich auf den Umfang der Produktion von Fernsehfiktion ausgewirkt. Zum ersten Mal seit 1996 waren die drei Eurofiction-Hauptindikatoren des Produktionsvolumens von TV-Fiktion (Sendezeit in Stunden, Anzahl der Titel, Anzahl der Folgen) rückläufig. In den fünf größten europäischen Märkten (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien) ist die im Jahr 2000 produzierte Sendezeit von 5786 Stunden im Vorjahr um 3,9% auf nunmehr 5564 Stunden zurückgegangen. Die Anzahl der neu produzierten Folgen/Staffeln war um 4,7% und die Anzahl der neuen Titel um 5,3% rückläufig, wobei letzterer Indikator als einziger bereits 1999 negativ war. Diese Zahlen weisen möglicherweise darauf hin, dass die Fernsehfiktion ihre in den 90er-Jahren erworbene starke Stellung zumindest teilweise wieder einbüßen könnte.

TV-Fiktion - Erstausstrahlungen durch große Sender in den fünf wichtigsten
europäischen TV-Märkten im Jahr 2000

Land Stunden Titel Folgen
Deutschland 1 801 361 2 610
Vereinigtes Königreich 1 322 151 2 178
Spanien 1 199 54 1 961
Italien 627 62 902
Frankreich 615 171 802
GESAMT 5 564 799 8 453
Quelle : Eurofiction

 

Südeuropa holt auf

Das Verhältnis zwischen den "nordeuropäischen" und den "südeuropäischen" Ländern (sowie innerhalb der zweiten Gruppe) bzgl. der nationalen Anteile am gesamteuropäischen Kuchen hat sich im Bereich der einheimischen Fiktionsproduktion zwischen 1996 und 2000 deutlich verändert. Die Fernsehfiktion-Produktion war 2000 europaweit ausgeglichener verteilt. Kamen noch 1996 zwei Drittel der neuen Fiktionsprogramme aus Deutschland und Großbritannien (und nur ein Drittel aus den Mittelmeerländern) waren es im Jahr 2000 nur noch knapp drei Fünftel (56%) der Neuproduktionen; der spanische Anteil hat sich - nicht zuletzt dank der Berücksichtigung der Sender der autonomen Gemeinschaften - verdoppelt (von 11 auf 22%); die Anteile Frankreichs und Italiens sind nun gleich (11%), wobei das Verhältnis zwischen beiden 1996 noch bei drei zu eins zu Gunsten der französischen Produktionen lag.

Marktanteile einheimischer TV-Fiktion in fünf europäischen Ländern

Quelle: Eurofiction

 

Comedyformate sind rückläufig

Verglichen mit dem bemerkenswert hohen Anteil an Comedysendungen im amerikanischen Fernsehen ist dieses Format in Europa schwach und unausgeglichen vertreten. Dies war hingegen nicht immer der Fall. 1996 war noch eine eindeutige Unterscheidung zwischen den "nordeuropäischen" und den "südeuropäischen" Ländern möglich, die in gewisser Weise den stereotypen Vorstellungen von den jeweiligen nationalen Eigenheiten hinsichtlich des Humors entsprach. In Deutschland und Großbritannien waren einheimische Comedyproduktionen das am wenigsten populäre Format (weit hinter Aktion/Krimi); in den Mittelmeerländern hingegen kam Comedy an erster (Frankreich) oder an zweiter Stelle (Spanien und Italien) - mit einem signifikanten Anteil von 29 bis 45% der Sendezeit. Mittlerweile ist der Unterschied zwischen Nord und Süd geringer geworden. Im Jahr 2000 belegte Comedy in allen Ländern (außer Spanien) den letzten Platz; und selbst in den "Hochburgen" Frankreich und Spanien lag der Sendezeitanteil bei unter 25%.

TV-Fiktion - Erstausstrahlungen 2000 nach Formaten (in Stunden)

  Deutschland Vereinigtes Königreich Spanien Italien Frankreich
Drama 1084 60 % 1015 77 % 829 69 % 417 67 % 223 36 %
Aktion/Krimi 562 31 % 188 14 % 72 6 % 148 24 % 240 39 %
Comedy 121 7 % 118 9 % 297 25 % 57 9 % 138 22 %
Sonstige 35 2 % -/- -/- -/- -/- 5 1 % 14 2 %
GESAMT 1802 100 1321 100 1198 100 627 100 615 100

Quelle: Eurofiction

Mehr Reihen, weniger Fernsehfilme

Für das Format Fernsehfilm war der Trend im Zeitraum 1996-2000 eindeutig rückläufig, sowohl absolut (Anzahl der Titel) als auch prozentual (Sendezeit) - 371 Fernsehfilme im Jahr 1996, 345 im Jahr 2000 (nach einem Zwischenhoch von 410 im Jahr 1998) - bei einem kontinuierlichen Rückgang des prozentualen Anteils von 49 auf 43% (gemittelt für alle Länder).
Mit großer Wahrscheinlichkeit ist der Rückgang der Fernsehfilme direkt auf die Zunahme der Reihen zurückzuführen, zumal Fernsehfilme nicht selten als Pilotfilme für potenzielle neue Reihen gedreht werden, um deren Konzept und Erfolgsaussichten zu testen. Aber dieser Rückgang wird nicht ausschließlich dadurch bedingt, dass Reihen im europäischen Fernsehen zunehmend in der Prime Time ausgestrahlt werden. Die Attraktivität von Reihen für das breite Publikum wurde im vergangenen Jahr, in dem mehr Reihen als je zuvor in europäischen Fernsehprogrammen vertreten sind, weiter erhöht. Im Zeitraum 1996-2000 hat die Anzahl und der Sendezeitanteil der Reihen nahezu konstant zugenommen - von 224 Titeln und 29% des Angebots im Jahr 1996 auf 293 Titel und 37% des Angebots im Jahr 2000. So machen Reihen beispielsweise knapp die Hälfte der britischen Fiktion, drei von fünf spanischen Produktionen und über zwei Drittel der französischen Programme aus.
Diese quantitative Auswertung wird durch einen qualitativen Ansatz bestätigt: Betrachtet man in jedem Land die 20 beliebtesten Filme/Folgen der letzten zwei Jahre, so sind im Jahr 2000 weniger Fernsehfilme und mehr Reihen in dieser Hitliste vertreten. Es ist kaum verwunderlich, dass das Format Reihe für die Industrie und die Programmgestaltung in den großen europäischen Ländern zunehmend an Bedeutung gewinnt: Serien tragen durch ihre regelmäßige Ausstrahlung (in der Regel wöchentlich) zur Bindung des Publikums bei; sie ermöglichen eine relativ umfassende Belegung der Programmplätze; Reihen können flexibel an die Prime Time oder an andere Sendezeiten angepasst werden und lassen sich auch inhaltlich bzw. in ihrer Erzählform fast beliebig gestalten; und sie können auch wirtschaftlich sehr erfolgreich sein.

Einheimische TV-Fiktion in den fünf größten europäischen TV-Märkten - Erstausstrahlungen 1996 - 2000 nach Formaten (in %)

Quelle: Eurofiction

Nationale Unterschiede nehmen ab

Zwischen 1996 und 2001 hat eine gewisse Vereinheitlichung der europäischen Fiktionslandschaft stattgefunden bzw. sich verstärkt. Der wachsende Erfolg von Reihen, der von Spanien bis Deutschland überall feststellbar ist, ist für die Vereinheitlichung der zeitgenössischen europäischen Fiktion in den fünf untersuchten nationalen Fernsehlandschaften zumindest teilweise mitverantwortlich. Produktionskapazitäten, Serienformate, standardisierte Längen der Folgen, die Unterteilung in Sparten, die Weiterentwicklung von Krimiserien, Muster für die Verwertung von einheimischen und ausländischen Produktionen: die konzeptionellen Ähnlichkeiten und vergleichbaren Ansätze bei der Programmgestaltung und Produktion von fiktionalmen Fernsehen in den verschiedenen europäischen Ländern sind vielfach feststellbar und stellen ein Element neuer Dynamik dar.

 

"Eurofiction. Fiktionales Fernsehen in Europa. Bericht 2001" wird von der EUROFICTION-Arbeitsgruppe erstellt (Koordinierung durch die Stiftung Hypercampo) und von der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle in Straßburg herausgegeben.


Im Dezember 1992 in Straßburg eingerichtet, hat die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle zur Aufgabe, Informationen über den europäischen audiovisuellen Sektor zu sammeln, aufzubereiten und zu veröffentlichen. Als öffentliche europäische Einrichtung umfasst sie derzeit 34 Mitgliedstaaten sowie die Europäische Union, die durch die Europäische Kommission vertreten wird. Die Informationsstelle wurde als Teil des Europarats gegründet und arbeitet mit diversen Partnern, Berufsverbänden und einem Korrespondentennetzwerk zusammen. Zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten gehört neben Konferenzbeiträgen die Erstellung von Publikationen, Datenbanken und umfassenden Internetinformationsangeboten.