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Pressemitteilung
MipCom, Cannes, Frankreich, 9.10.2001
Programmierung von fiktionalem Fernsehen:
Prime Time einheimisch, der Rest amerikanisch
Die
Europäische Audiovisuelle Informationsstelle, Straßburg, veröffentlicht
dieses Jahr zum fünften Mal in Folge den Bericht "EUROFICTION.
Fiktionales Fernsehen in Europa".
Die Ergebnisse für das Jahr 2000 bestätigen die Stabilität
und weitere Festigung der europäischen Programmgestaltungsmuster
bei fiktionalen Fernsehsendungen. Diese lassen sich etwas vereinfacht
wie folgt zusammenfassen: Die Prime Time ist einheimisch, die übrige
Zeit amerikanisch. Dieser vorherrschende Dualismus - nationale Produktionen
einerseits und nordamerikanische Produktionen andererseits - lässt
einen gewissen Spielraum (in der Regel zwischen 10 und 20%) für Importe
aus verschiedenen Quellen.
Über den ganzen Tage gesehen, vom Vormittags- bis zum Nachtprogramm
einschließlich Prime Time, macht nordamerikanische Fiktion über
die Hälfte des Fernsehangebots in Deutschland, Frankreich und Spanien
aus; in Italien sind es sogar knapp zwei Drittel. Von diesem Muster weicht
als einziges Land Großbritannien ab, obwohl der Unterschied immer
geringer wird. In Großbritannien übersteigt der Anteil der
einheimischen Fiktion den der nordamerikanischen Importe. Er ist allerdings
geringer als die Summe aller Fremdproduktionen (Amerika, Australien).
Wie allgemein bekannt ist, besteht der überwiegende Teil der amerikanischen
und ganz allgemein der ausländischen Fiktion für Sendeplätze
außerhalb der Prime Time aus Wiederholungen, womit steigenden Programmkosten
ausgeglichen werden.
Die Produktion in den fünf im Rahmen des EUROFICTION-Berichts untersuchten
europäischen Ländern umfasst - nicht zuletzt wegen der zunehmenden
Konvergenz bei der Entwicklung von Formaten und Genres - mittlerweile
einen großen Anteil an Fiktion, die auch für den Export geeignet
ist. Fernsehfilme oder deutsche Serien werden auch im Ausland ausgestrahlt,
und dies durchaus erfolgreich. Aber das ändert nichts an der Tatsache,
dass europäische Fernsehfiktion überwiegend "lokalen"
Charakter hat und auf ein einheimische Publikum zugeschnitten ist. So
ist es auch kein Wunder, dass ausländische europäische Programme
insgesamt ziemlich schwach vertreten sind - außer im strenger "regulierten"
französischen Fernsehen.
Ursprungsland
der von großen Sendern ausgestrahlten TV-Fiktionsprogramme
(Stichwoche 12. bis 18. März 2000)
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Einheimisch |
USA |
Europa |
Sonstige |
| Vereinigtes
Königreich |
Über
ganzen Tag |
47 % |
43 % |
0 % |
10 % |
| Nur
Prime Time |
51
% |
49 % |
0 % |
0 % |
| Deutschland |
Über
ganzen Tag |
36 % |
57 % |
5 % |
2 % |
| Nur
Prime Time |
56 % |
44 % |
0 % |
0 % |
| Frankreich |
Über
ganzen Tag |
25 % |
56 % |
15 % |
5 % |
| Nur
Prime Time |
75 % |
25 % |
0 % |
0 % |
| Italien |
Über
ganzen Tag |
19 % |
64 % |
4 % |
13 % |
| Nur
Prime Time |
43 % |
51 % |
6 % |
0 % |
| Spanien |
Über
ganzen Tag |
20 % |
56 % |
7 % |
17 % |
| Nur
Prime Time |
51 % |
37 % |
12 % |
0 % |
Quelle: EUROFICTION
In den fünf Jahren zwischen 1996 und 2000 sind zwei Entwicklungen
festzustellen: eine Zunahme der einheimischen Fiktion und ein Rückgang
der amerikanischen Fiktion. Obgleich die Vorherrschaft der amerikanischen
Produktionen noch unangefochten ist, so hat sie sich doch mit den Jahren
bei gleichzeitiger Zunahme der lokalen Produktionen abgeschwächt.
Dies ist überall der Fall, außer in Großbritannien, wo
der umgekehrte Trend (mehr nordamerikanische und weniger einheimische
Fiktion) auch auf den Auftritt des Senders Channel 5 zurückzuführen
sein dürfte. Das Zurückgreifen auf Wiederholungen (im Wesentlichen
durch die Rundfunkanbieter mit großen Katalogen an Ausstrahlungsrechten)
sowie die verstärkte Produktion von Serien für das Vor- und
Nachmittagsprogramm scheinen einen Prozess der Importbeschränkung
für gerade diese traditionell mit amerikanischer Fiktion vollgepackten
Sendeplätze ausgelöst zu haben.
Ein hierzu gegenläufiger Trend kann für die Prime Time in drei
der fünf untersuchten Länder (Deutschland, Italien, Großbritannien)
ausgemacht werden: Zunahme nordamerikanischer Importe und Rückgang
einheimischer Fiktion. Nordamerikanische Fiktion scheint gerade auf diesen
wertvollen" Sendeplätzen wieder stärker zu werden,
nachdem die frühen 90er-Jahre noch deutlich durch den Verzicht auf
nordamerikanische Importe gekennzeichnet waren. Diese stiegen zum Beispiel
von 30% (1999) auf 44% (2000) in Deutschland bzw. im gleichen Zeitraum
von 38% auf 49% in Großbritannien. Grund für diesen Anstieg
ist vermutlich ein Substitutionsphänomen, das mit der generellen
Zunahme der Fiktion in der Prime Time einhergeht. Die TV-Fiktion ersetzt
heute zum Teil Spielfilme (deren Popularität überall rückläufig
ist), Sportsendungen (die verstärkt vom Pay-TV ausgestrahlt werden)
und andere, weniger beliebte oder seltener verfügbare Unterhaltungssendungen.
"Eurofiction. Fiktionales Fernsehen in Europa. Bericht 2001"
wird von der EUROFICTION-Arbeitsgruppe erstellt (Koordinierung durch die
Stiftung Hypercampo) und
von der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle in Straßburg
herausgegeben.
Im Dezember 1992 in Straßburg eingerichtet, hat sich die Europäische
Audiovisuelle Informationsstelle zur Aufgabe gemacht, Informationen über
den europäischen audiovisuellen Sektor zu sammeln, aufzubereiten
und zu veröffentlichen. Als öffentliche europäische Einrichtung
umfasst sie derzeit 34 Mitgliedstaaten sowie die Europäische Union,
die durch die Europäische Kommission vertreten wird. Die Informationsstelle wurde als Teil des Europarats gegründet und arbeitet
mit diversen Partnern, Berufsverbänden und einem Korrespondentennetzwerk
zusammen. Zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten gehört neben Konferenzbeiträgen
die Erstellung von Publikationen, Datenbanken und umfassenden Internetseiten.s
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