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Pressemitteilungen der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle
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Pressemitteilung

Straßburg, den 9. April 2002

Verschlechterung der Finanzlage öffentlich-rechtlicher Hörfunk- und Fernsehveranstalter in Europa
  • Wachstum der öffentlich-rechtlichen Unternehmen deutlich unter dem der Privatsender
  • Große Unterschiede zwischen den Ländern hinsichtlich Bedeutung und Finanzierungsart des öffentlich-rechtlichen Sektors
  • Kommerzielle Einnahmen immer wichtiger

Die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle (Europarat, Straßburg) veröffentlicht den ersten Band der Ausgabe 2002 ihres Jahrbuches mit dem Titel ,,Die wirtschaftliche Lage der europäischen audiovisuellen Industrie". Diese nunmehr achte Auflage erscheint in neuer Aufmachung und enthält insbesondere ausführliche Finanzanalysen der wichtigsten Branchen des audiovisuellen Sektors in Europa. Diese neuartigen Analysen stützen sich auf eine Datenbank, in der die Jahresabschlüsse von etwa 25 000 Unternehmen dieses Sektors enthalten sind. Für die Analyse der Einnahmen der öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehunternehmen wurde die Informationsstelle auch vom statistischen Informationsnetzwerk der Europäischen Rundfunkunion (EBU/UER) unterstützt.


Inhaltüberblick

Vielfalt des öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehsektors in Europa
Vielfalt bei der Art der Finanzierung
Große Unterschiede beim Pro-Kopf-Beitrag
Langsame und sehr unterschiedliche Wachstumsraten
Verschlechterung der Finanzlage
Vielfältige Ursachen
Notwendigkeit von mehr Transparenz bei den mittel- und osteuropäischen Ländern


Vielfalt des öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehsektors in Europa

Der öffentliche Hörfunk- und Fernsehsektor in den einzelnen Ländern zeichnet sich durch eine erhebliche Vielfalt hinsichtlich Rechtsstatus, Organisation und Finanzierung aus.

Im Vereinigten Königreich haben BBC und Channel Four einen Status als Corporation; in Deutschland sind die Regionalsender der ARD sowie das ZDF öffentlich-rechtliche Anstalten. In Frankreich, Italien und Spanien handelt es sich um Aktiengesellschaften, die überwiegend im Besitz des Staates oder von öffentlichen Finanzeinrichtungen sind. In den Niederlanden und in Luxemburg wird ein Teil des öffentlichen Auftrages an staatlich geförderte Vereine vergeben. Solche rechtlichen Unterschiede spiegeln sich natürlich in ausgeprägten Differenzen bei den Buchführungsstrukturen wider und erfordern größte Vorsicht bei wirtschaftlichen und finanziellen Vergleichen.

Ein anderer erheblicher Unterschied, der in Europa auffällt und einen Vergleich nicht eben erleichtert, ist die Diskrepanz zwischen den integrierten Einrichtungen, die gleichzeitig Hörfunk- und Fernsehdienste anbieten auf der einen Seite (das gilt insbesondere für BBC im Vereinigten Königreich, ARD in Deutschland sowie RAI in Italien) und den entweder auf Fernsehen spezialisierten Einrichtungen (wie beispielsweise France Télévisions in Frankreich, ZDF in Deutschland oder SVT in Schweden) oder den reinen Hörfunkanstalten (Radio-France, Radiodiffusão Portuguesa, Sveriges Radio) auf der anderen Seite. Für einen vollständigen europaweiten Vergleich müssen daher sämtliche Unternehmen eines Landes mit denjenigen eines anderen Landes verglichen werden, und nicht nur ein Unternehmen mit einem anderen. Die regionalen öffentlich-rechtlichen Sender (wie S4C in Wales oder die Sender der autonomen Gemeinschaften in Spanien) müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Schließlich sind bei einer konsolidierten Wirtschaftsanalyse des öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehsektors auch die Spartenkanalunternehmen des Pay TV einzubeziehen, die von öffentlich-rechtlichen Unternehmen gegründet wurden, auch wenn diese nicht unbedingt einen öffentlichen Auftrag erfüllen müssen. Insgesamt erfasst die Analyse der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle 55 Unternehmen in der Europäischen Union.

Vielfalt bei der Art der Finanzierung

Auch bei der Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehanstalten ist eine große Vielfalt im audiovisuellen Sektor in Europa festzustellen. Gebühren sind nach wie vor die klassische Form der Finanzierung von öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehanstalten. Allerdings gibt es keine Fernsehgebühren in Ländern wie Luxemburg, Griechenland (hier tritt eine Elektrizitätsabgabe an ihre Stelle) oder Spanien. Abgeschafft wurden die Fernsehgebühren auch in Portugal, den Niederlanden und, erst vor kurzem, in der flämischen Gemeinschaft Belgiens. In den vier zuletzt genannten Ländern ersetzt eine direkte Förderung die fehlenden Fernsehgebühren. Für spezielle Dienste, insbesondere für die international verbreiteten Sender, werden manchmal Subventionen oder Verträge mit der öffentlichen Hand gewährt.

In Finnland sind die öffentlichen Gelder proportional am höchsten (etwa 94,5 % der Einnahmen von YLE), gefolgt von Griechenland (etwa 90 %), Schweden (88,4 % im Jahr 2000) und Deutschland (79,7 %). Frankreich (65,9 %) und das Vereinigte Königreich (65,4 %) liegen mit ihrem Anteil der öffentlichen Finanzierung sehr nah am europäischen Durchschnitt, allerdings mit erheblichen Unterschieden was die Verteilung der Mittel auf die einzelnen öffentlich-rechtlichen Unternehmen betrifft.

Die öffentlichen Gelder (Fernsehgebühren, Subventionen u. a.) stellen allerdings nicht unbedingt die wichtigste Form der Finanzierung öffentlicher Hörfunk- und Fernsehanstalten dar. Im Vereinigten Königreich erzielt beispielsweise Chanel 4 seine gesamten Einnahmen aus kommerziellen Tätigkeiten (Werbung, Programmverkauf und Pay-TV-Sender FilmFour). Beim ORF in Österreich, RTVE in Spanien und RTE in Irland sind die kommerziellen Einnahmen höher als diejenigen aus öffentlichen Mitteln. Dasselbe gilt seit 2000 für die RAI in Italien, insbesondere nach dem Ausbau der Aktivitäten des Tochterunternehmens für Spartenkanäle, RAISAT.

In ganz Europa lässt sich eine Zunahme der kommerziellen Einnahmen feststellen (von 28,4 % aller Einnahmen 1995 auf 32,3 % 2000), während gleichzeitig der Anteil der öffentlichen Mittel zurückging (von 69,1 % 1995 auf 65,4 % 2000).

Große Unterschiede beim Pro-Kopf-Beitrag

Die Höhe der Fernsehgebühren in den verschiedenen Ländern Europas wird häufig verglichen. Wenn man die Länder außer Acht lässt, in denen es keine Gebühren gibt, stellt man erhebliche Unterschiede fest. Die Einwohner Islands zahlen am meisten (338,3 EUR an Hörfunk- und Fernsehgebühren), während in Rumänien die Fernsehgebühren am niedrigsten sind (17,7 EUR). (Tabelle 1)

Um allerdings zu messen, wie viel jeder Einwohner tatsächlich zahlt, ist es sinnvoller, die durchschnittlichen Pro-Kopf-Einnahmen der Rundfunkanstalten in den einzelnen Ländern zu erfassen. Diese Beträge variieren zwischen 156,5 EUR pro Einwohner in der Schweiz und 6 EUR pro Einwohner in der Türkei. Die Briten zahlen durchschnittlich 103,8 EUR für ihr öffentliches Hörfunk- und Fernsehsystem, die Deutschen 97,2 EUR, die Franzosen 55,8 EUR, die Italiener 49,2 EUR und die Spanier 33,9 EUR.

Langsame und sehr unterschiedliche Wachstumsraten

Die Gesamteinnahmen der öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehanstalten in der Europäischen Union beliefen sich im Jahr 2000 auf 26,3 Milliarden EUR gegenüber 22,8 Milliarden 1997. Während des Zeitraums 1997-2000 betrug die Wachstumsrate im Jahresdurchschnitt 4,9 % und lag damit deutlich niedriger als die der Privatfernsehsender im selben Zeitraum (17,7 %). Die niedrigsten Wachstumsraten im Jahresdurchschnitt finden sich in Schweden (-0,6 %), Finnland (0,2 %), Belgien (0,6 %) und Österreich (0,9 %). Der öffentlich-rechtliche Sektor im Vereinigten Königreich verzeichnete das stärkste Durchschnittswachstum (9,6 %), was insbesondere auf die deutlich gestiegenen Werbeeinnahmen von Channel 4 (11,8 %) zurückzuführen ist. Auch in Dänemark ziehen steigende Werbeeinnahmen des Mischsenders TV2 ein gutes Wachstum des öffentlich-rechtlichen Sektors nach sich (6,6 %). In Italien weist die RAI dank der steigenden Werbeeinnahmen ebenfalls ein überdurchschnittliches Wachstum auf (6 %). Das Wachstum des Sektors in Deutschland liegt unter dem Durchschnitt (4,8 %). Niedrige jährliche Wachstumsraten verzeichnen Spanien (1,9 %) und Frankreich (1,8 %).

Tabelle 1: Rundfunkgebühr pro Haushalt (2000)
Länder
TV
Radio
Radio + TV
AT (Österreich)
 
64,5
220,6
BE (Belgien)
189,7
 
 
BG (Bulgarien)
_
_
_
CH (Schweiz)
177,9
106,7
_
CZ (Tschechische Republik)
25,6
1
_
DE (Deutschland)
 
57,7
173,3
DK (Dänemark)
253
37,4
253
ES (Spanien)
_
_
_
FI (Finland)
165,2
_
_
FR (Frankreich)
114,4
 
 
GB (Vereinigtes Königreich)
172,8
 
 
HR (Kroatien)
_
63,9
78,9
HU - Ungarn
28,6
_
_
IE - Irland
88,8
_
_
IS - Island
236,8
101,5
338,3
IT - Italien
 
 
90,8
LT - Litauen
_
_
_
LV - Lettland
 
 
 
MK - Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien
_
_
49,8
NL - Niederlande
_
_
_
NO - Norwegen
198,1
_
_
PL - Polen
_
11,5
35,4
PT - Portugal
_
16,6
_
RO - Rumänien
13,7
_
_
SE - Schweden
185,7
 
 
SI - Slowenien
 
37,3
126,1
SK - Slowakische Republik
20,15
8
_

 

Tabelle 2: Durchschnittsertrag des öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehsektors pro Einwohner (2000)
In EUR pro Einwohner

 

Subven-
tionen
Gebühr
Sonstige öffentl. Erträge
Werbung
Sponsor-
ing
Programm-
verkäufe
Merchan-
dising
Pay-
TV
Sonstige
kommerz.
Erträge
Sonst.
SUMME
CH
1,9
98,2
 
44,3
 
5,1
 
 
7
 
156,5
IS
 
80,7
0
36,3
3
3
0,9
 
 
 
121
AT
1,3
45,5
0
45
4,6
4,4
0
 
4,3
11,6
116,7
DK
 
78,7
 
27,5
0,2
1,1
1,1
 
6,6
 
115,2
GB
6,7
60,7
0,2
18,1
0
5,6
8
0,6
2,7
1
103,7
DE
3,9
73,6
 
8,1
0,3
0,4
 
 
10,1
0,8
97,2
NO
0
79,2
6,1
 
0
0
0
 
0
0,6
85,9
SE
 
70,6
 
 
0,4
1,8
 
 
0,6
6,4
79,9
IE
 
22,3
 
36,2
 
 
 
 
11,3
 
69,8
FI
0,2
53,8
9,3
0
0
0,8
0,2
0
2,7
0
67
BE
0,5
34,9
 
12,3
2,2
0,2
0,2
 
3,1
2,8
56,3
FR
2,3
34,4
 
11,9
0,2
0,7
 
0,3
4,2
1,8
55,8
SI
0,8
36,5
 
6,4
4,2
0,2
0,3
 
3,7
3,1
55,2
IT
0,1
22,7
1,2
19,2
1,4
2,6
 
0,7
0,5
0,8
49,2
NL
25,6
0
0
14,9
0,1
 
0
 
 
4,4
45
ES*
7,3
 
0,1
20,5
 
2,7
0
0,5
2,1
0,7
33,9
PT*
7,4
6
0
6,8
0,2
0,2
0,1
0
0,5
4,1
24,8
GR*
0,7
 
18,3
2
 
 
 
 
 
 
20,9
PL
0
4,4
 
6,5
0,4
0,1
 
 
 
1,1
12,4
EE
7,2
 
 
2,2
0,3
0
 
 
0,9
0,2
10,8
SK
2
5,6
 
0,9
0,2
0,2
0,1
 
0
0,2
9,2
MK
0,1
5
 
2
0
 
0,1
 
0,1
1
8,3
TR
0
 
4
0,4
0,2
0
0
 
 
1,4
6

* Schätzung
Quelle : Europäische Audiovisuelle Informationsstelle

 

Verschlechterung der Finanzlage

Die Analyse der Jahresabschlüsse und der Bilanzen der öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehunternehmen ergibt ebenfalls einen Abwärtstrend. Zwar haben die klassischen Indikatoren der Finanzanalyse nicht dieselbe Aussagekraft für Unternehmen, die nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtet sind, aber die Entwicklung an sich ist beunruhigend. Die Verluste sämtlicher 55 erfasster Unternehmen steigen unaufhörlich: 193 Millionen EUR 1998, 220,7 Millionen 1999 und 578,5 Millionen 2000. Die Gewinnspanne, die 1997 und 1998 noch positiv war, fiel 1999 und 2000 negativ aus.

Graph 1: Ergebnisse der öffentlich er Hörfunk- und Fernsehunternehmen in der Europäischen Union (1997-2000) - in Tausend EUR

Quelle: Europäische Audiovisuelle Informationsstelle

 

Graph 2: Finanzielle Rendite der öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehunternehmen in der Europäischen Union (1997-2000)

 

Tabelle 3: Finanzielle Lage der öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehunternehmen in der Europäischen Union (1997-2000)
Millionen EUR
1997
1998
1999
2000
2000/1999
Bilanz des Aktivvermögens
21 154 029
21 875 437
23 475 891
23 145 639
-1,4%
Betriebserträge
21 590 008
22 477 389
23 922 567
24 655 316
3,1%
Betriebsergebnis
304 394
-40 430
-636 101
-697 217
9,6%
Ergebnis vor Steuern
558 633
48 418
-254 060
-467 658
84,1%
Nettoergebnis
147 969
-195 882
-222 179
-579 373
160,8%
 
%
1997
1998
1999
2000
 
Verschuldungsgrad
137,92
148,19
133,88
142,2
Liquiditätsmarge
32,07
30,9
31,82
30,6
Deckungsbeitrag
1,41
-0,18
-2,66
-2,83
Eigenkapitalrendite
8,23
0,72
-3,40
-6,60
Gewinnspanne
2,59
0,22
-1,06
-1,90
Gesamtkapitalrendite
2,64
0,22
-1,08
-2,02

Quelle: Europäische Audiovisuelle Informationsstelle
Tabelle 4: Gewinnspanne der öffentlich-rechtlichen Fernsehunternehmen (in %)

 

1995
1996
1997
1998
1999
2000
Deutschland (*)
-0,6
-2,84
5,88
1,67
-0,37
-2,5
Spanien
-10,41
-10,14
-8,42
-16,22
-25,36
-27,76
Frankreich
2,49
-0,51
2,53
0,43
-1,47
0,71
Vereinigtes Königreich (*)
4,36
3,33
1,29
2,62
1,45
1,59
Italien (*)
4,08
8,04
8,7
7,14
6,76
4,53

(*) einschließlich Hörfunk
Quelle: Europäische Audiovisuelle Informationsstelle

Diese Verschlechterung geht im Wesentlichen auf den gestiegenen Nettoverlust von RTVE in Spanien (637 Millionen EUR 2000) und von RTP in Portugal (172,7 Millionen EUR 2000) zurück. Die Geschäftsführung von RTVE hat gemeinsam mit SEPI (Sociedad Estatal de Participaciones Industriales) ein umfangreiches Sanierungskonzept (,,Plan Marco") für den Zeitraum 2002-2004 aufgestellt. Die beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten in Deutschland, ARD und ZDF, verzeichneten im Jahr 2000 ebenfalls hohe Verluste (115 Millionen bzw. 124,7 Millionen EUR). Die Finanzlage verschlechterte sich auch in Finnland, wo YLE einen Verlust in Höhe von 17 Millionen EUR 1999 und von 10,6 Millionen EUR 2000 machte, sowie in Irland, wo RTE im Jahr 2000 einen Nettoverlust von 14,3 Millionen EUR verzeichnete. Die BBC, die 1999/2000 noch Verluste von 19,8 Millionen EUR verbuchte, vermeldete für 2000/2001 einen Gewinn. Allerdings fiel ihre Gewinnspanne, die 1996 und 1997 über 3 % betrug, auf -0,29 %. Während der öffentliche Sektor in Frankreich als tendenziell ausgeglichen bezeichnet werden kann, geht es finanziell gesehen der RAI am besten, obwohl ihre Gewinnspanne ebenfalls stark absank (von 8,7 % 1997 auf 4,53 % 2000).

Vielfältige Ursachen

Die Analyse dieses negativen Trends bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten muss für jedes Land einzeln erfolgen, da die Situation jeweils sehr unterschiedlich ist. In allen Ländern ist die Verschlechterung der Finanzlage auch dadurch bedingt, dass in den Übergang zur Digitaltechnik investiert werden muss, um dem stärkeren Wettbewerb gewachsen zu sein. Daher müssen die öffentlich-rechtlichen Unternehmen in die Infrastruktur investieren und neue Sender gründen, die nicht unbedingt nennenswerte Einnahmen erwirtschaften.

Die vergleichende Analyse der Kostensteigerung ist aufgrund der strukturellen Heterogenität der einzelnen Systeme leider nach wie vor schwierig: Insbesondere die Programmausgaben sowie die Investitionen in die Produktion können praktisch überhaupt nicht verglichen werden. Kosten, wie für Gebühreneinzug, Werbezentralen oder technische Übertragung sind auch schwer gegenüberzustellen, da sie teilweise innerhalb, teilweise außerhalb des Systems anfallen. Selbst beim Vergleich der Personalausgaben ist wegen der starken Auslagerung kostenintensiver Bereiche Vorsicht geboten. Bei den Betreibern von Sendern, die Produktionen eher in Auftrag geben, als sie intern herzustellen, ist der Anteil der Personalausgaben an den Gesamtausgaben natürlich am geringsten: 7,3 % bei Channel 4 im Jahr 2000, 10,8 % bei France 2, 18,1 % bei TV2 Denmark und 18,4 % beim ZDF. Am anderen Ende der Skala findet man RTP (77,4 %), DenmarkRadio (57,9 %) und RTBF (54,5 %). (Siehe ERRATUM)

Notwendigkeit von mehr Transparenz bei den mittel- und osteuropäischen Ländern

Das Jahrbuch der Informationsstelle enthält auch Angaben über die Einnahmestruktur der mittel- und osteuropäischen Länder. Allerdings ist in diesen Ländern die Erfassung der Jahresabschlüsse und Bilanzen von öffentlich-rechtlichen Einrichtungen nach wie vor sehr viel schwieriger, was in einigen Fällen wohl auf eine äußerst besorgniserregende Finanzlage hinweist.

EUROPÄISCHE AUDIOVISUELLE INFORMATIONSSTELLE, Straßburg, Frankreich
Jahrbuch 2002. Film, Fernsehen, Video und Multimedia in Europa, Ausgabe 2002,
Band 1 ,,Die wirtschaftliche Lage der europäischen audiovisuellen Industrie",
Europäische Audiovisuelle Informationsstelle, Straßburg, 2002.

Kontakt: Dr. André Lange. Tel.: +33 (0)3 88 14 44 00 - E-mail: Andre.LANGE@coe.int

Im Dezember 1992 in Straßburg eingerichtet, hat die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle zur Aufgabe, Informationen über den europäischen audiovisuellen Sektor zu sammeln, aufzubereiten und zu veröffentlichen. Als öffentliche europäische Einrichtung umfasst sie derzeit 35 Mitgliedstaaten sowie die Europäische Union, die durch die Europäische Kommission vertreten wird. Die Informationsstelle wurde als Teil des Europarats gegründet und arbeitet mit diversen Partnern, Berufsverbänden und einem Korrespondentennetzwerk zusammen. Zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten gehört neben Konferenzbeiträgen die Erstellung von Publikationen, Datenbanken und umfassenden Internetseiten.