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DLI IRIS Plus 2016-2

IRIS Plus 2016-2: Audiovisuelle Sportrechte – zwischen Exklusivität und dem Recht auf Information

Autoren: Francisco Javier Cabrera Blázquez, Maja Cappello, Gilles Fontaine, Sophie Valais, Europäische Audiovisuelle Informationsstelle

Veröffentlicht: 26/10/2016

Sport und Medien – das sind zwei Bereiche, die eng miteinander verbunden sind. Die meisten Menschen, die ein Fußballspiel sehen möchten, haben nicht die Möglichkeit, dieses Spiel live vor Ort im Stadion zu sehen. Sie sind daher darauf angewiesen, dass ihnen eine andere Möglichkeit angeboten wird, das Spiel live zu verfolgen. Und hier kommen die Medien ins Spiel: Sie können Informationen aus erster Hand über die Sportveranstaltung in den Nachrichten bieten, aber auch das Spiel live im Fernsehen übertragen.

Zu diesem Zweck brauchen Medien Übertragungsrechte, die gerade bei Premium-Sportveranstaltungen besonders lukrativ sind. Medien sind daher in der Regel bestrebt, sich die Exklusivrechte für die Übertragung zu sichern, um so von den Werbeeinnahmen und den Gebühren ihrer Abonnenten profitieren zu können. Bei den Inhabern von Exklusivrechten muss es sich nicht zwangsläufig um Pay-TV-Sender handeln, denn dies ist eine Entscheidung, die vollständig von dem Geschäftsmodell des betreffenden Rundfunkveranstalters abhängt. Aber wenn es sich um Pay-TV-Sender handelt, können nur die Personen die Sportveranstaltung sehen, die den Pay-TV-Sender abonniert haben. Zu ähnlichen Einschränkungen kommt es, wenn sich ein Rundfunkveranstalter mit begrenzter territorialer Reichweite die Übertragungsrechte gesichert hat.

Um ein angemessenes Gleichgewicht zwischen den unterschiedlichen Interessen sicherzustellen, d.h. zwischen dem Recht der Zuschauer auf Information und dem Recht auf Eigentum der Rundfunkveranstalter, wurden besondere Vorschriften eingeführt.

Die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle hat sich in den letzten zwölf Jahren bereits dreimal eingehend mit diesem Thema befasst, und zwar in:

  • IRIS Plus über „Sport im Spiegel des europäischen Medienrechts”, im Jahr 2004;
  • IRIS Plus über „Großereignisse und das Recht auf Berichterstattung”, im Jahr 2006;
  • IRIS Plus über „Exklusivrechte und Kurzberichterstattung”, im Jahr 2012.

Die wachsende Bedeutung der audiovisuellen Sportrechte, vor allem in diesem Sommer mit der Fußball-Europameisterschaft und den olympischen Sommerspielen, hat uns veranlasst, uns erneut eingehend mit diesem Thema zu befassen.

Welche konkrete Bedeutung dieses Thema in der Praxis hat, wird an folgendem Beispiel deutlich. Nehmen wir einen Spanier, der ein Fan von Real Madrid ist, aber in Frankreich lebt. Um die Spiele seiner Lieblingsmannschaft sehen zu können, müsste dieser Fußballfan einen Pay-TV-Sender abonnieren, der im Besitz der Exklusivrechte für die spanische Liga in Frankreich ist. Wenn er die Spiele der Champions League sehen möchte, müsste er einen weiteren Pay-TV-Sender abonnieren. Da stellt sich die berechtigte Frage: „Warum soll ich dafür bezahlen?“ Und „Wie exklusiv können Fernsehrechte sein?” oder „Warum gibt es keine anderen Optionen?“.

Wenn unser Real Madrid-Fan nicht bereit ist, für Fußballspiele zu zahlen und trotzdem über das Ergebnis dieser Spiele informiert werden möchte, dann bietet die Richtlinie über die Audiovisuellen Mediendienste (AVMD-Richtlinie) eine Reihe von Regeln, die es Fernsehveranstaltern ermöglichen, Zugang zu Sportveranstaltungen zu erhalten, die von großem Interesse für die Öffentlichkeit sind, jedoch normalerweise exklusiv von einem anderen Sender übertragen werden. Genauer: Frei empfangbare Sender können kurze Ausschnitte aus den Sendungen anderer Fernsehveranstalter auswählen, die es ihnen ermöglichen, ihre Zuschauer über die Höhepunkte der betreffenden Sportveranstaltungen zu informieren.

Aber wenn unser spanischer Fußballfan die Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich hätte verfolgen wollen, vor allem, wenn Spanien ins Finale gekommen wäre (was nicht der Fall war, wie wir wissen), dann bleibt immer noch die Frage, ob es fair wäre, dass Menschen mit wenig Geld eine Sportveranstaltung, die ein großes Ereignis für das gesamte Land wäre, nicht sehen können. Aber auch für diese besondere Situation gibt es Vorschriften in der AVMD-Richtlinie: So können Mitgliedstaaten eine Liste erstellen, in der sie bestimmte (nationale wie nicht-nationale) Veranstaltungen aufführen, die ihrer Meinung nach von gesellschaftlicher Bedeutung sind und für die eine frei zugängliche Berichterstattung gewährleistet werden muss, um einem bedeutenden Teil der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, das Ereignis zu verfolgen.

All diese rechtlichen Fragen werden in dieser Ausgabe von IRIS Plus diskutiert. Die Veröffentlichung geht von einer wirtschaftlichen Perspektive aus und erklärt, wie Medienrechte verhandelt werden, welche Art von Rechten abgedeckt wird und um welche Rechte es sich dabei im Einzelnen handelt. Diese Fragen werden anschließend anhand eines umfassenderen Regulierungsrahmens untersucht, es werden internationale und europäische Verpflichtungen analysiert, bevor ein Überblick über nationale Rechtsrahmen in einzelnen Ländern gegeben wird. Für den Überblick über die nationalen Rechtsrahmen haben Medienregulierungsbehörden in ganz Europa nützliche Beiträge über das EPRA-Sekretariat geliefert. Hierfür geht ein besonderer Dank an Emmanuelle Machet.

Diese Veröffentlichung untersucht die europäische Rechtsprechung im Bereich Medienrechte und die Selbstregulierung von Sportverbänden, auch unter Berücksichtigung der Besonderheiten des Sports, bevor Überlegungen zur Zukunft angestellt werden.

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