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Frauen führen nach wie vor bei weniger als einem von vier Filmen Regie in Europa

Europäische Audiovisuelle Informationsstelle veröffentlicht neuen Bericht über weibliche Fachkräfte in der europäischen Filmindustrie.
STRASSBURG 11. Januar 2022
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Frauen führen nach wie vor bei weniger als einem von vier Filmen Regie in Europa

“Female professionals in European film production” hier herunterladen

 

Zentrale Erkenntnisse für den Zeitraum 2016 - 2020:

  • Frauen führten bei weniger als einem von vier Filmen Regie in Europa.
  • Bei Produktion und Drehbuch war das Geschlechtergefälle weniger ausgeprägt: 33 % der Produzierenden und 27 % der Drehbuchschreibenden, die an europäischen Spielfilmen beteiligt waren, waren Frauen.
  • Am geringsten war der Frauenanteil bei den Kameraleuten (10 %) und den Komponierenden (9%).
  • Frauen in Schlüsselrollen von Filmcrews arbeiteten tendenziell häufiger als ihre männlichen Kollegen in Teams, und es war weniger wahrscheinlich als bei Männern, dass sie die einzigen Fachkräfte waren, die in einer bestimmten Rolle an einem Spielfilm arbeiteten.
  • Im Durchschnitt wirkten Frauen, die hinter der Kamera arbeiten, an etwas weniger Filmen mit als ihre männlichen Kollegen.
  • Zwischen 2016 und 2020 lag der durchschnittliche Anteil an Regisseurinnen pro Film bei lediglich 20 %, wobei es im Laufe der Jahre keine nennenswerte Entwicklung gab. Bei den Drehbuchautorinnen waren es 25 %.
  • Der Anteil der Filme von mehrheitlich aus Frauen bestehenden Teams war bei Dokumentarfilmen höher als bei anderen Filmgenres, wenn man alle Berufskategorien berücksichtigt.

Dieser Bericht enthält eine Einschätzung des Ungleichgewichts zwischen den Geschlechtern unter den Filmschaffenden in der europäischen Filmindustrie. Unsere Analyse umfasst einen Überblick über das Geschlecht der Fachkräfte, die an mindestens einem europäischen Spielfilm in einer der folgenden Schlüsselrollen mitgearbeitet haben:

  • Regie
  • Drehbuch
  • Produktion
  • Kamera
  • Komposition
  • Darstellende in einer Hauptrolle.

Darüber hinaus untersucht der Bericht die Geschlechterstruktur von Fachteams und ermittelt den Anteil an Filmen, bei denen die Arbeit von mehrheitlich aus Frauen bestehenden Teams geleitet wurde.

1. Frauen sind unter den Filmschaffenden, die in Schlüsselrollen hinter der Kamera arbeiten, deutlich unterrepräsentiert

Zwischen 2016 und 2020 stellten Frauen lediglich 23 % aller Regieführenden europäischer Spielfilme. Bei den Fachkräften, die „hinter der Kamera“ arbeiten, war der Frauenanteil in den Bereichen Produktion (33 %) und Drehbuch (27 %) etwas höher. Bei Komposition und Kamera wiederum war das Geschlechtergefälle noch ausgeprägter: Nur 9 % beziehungsweise 10 % der aktiven Fachkräfte waren Frauen. Die Analyse zeigt, dass die Präsenz von Frauen „vor der Kamera“ ausgewogener war: 39 % aller Darstellenden in einer Hauptrolle in einem Spielfilm waren Frauen.

Anteil aktiver weiblicher Filmschaffender, nach Berufskategorien (2016-2020)

Quelle: Europäische Audiovisuelle Informationsstelle / LUMIERE

In allen Kategorien mit Ausnahme der Hauptrollen war der Anteil weiblicher Fachkräfte bei Dokumentarfilmen höher als bei anderen Filmgenres. So waren zum Beispiel 29 % der Regieführenden von Dokumentarfilmen Frauen, während es bei Spielfilmen 19 % und bei Animationsfilmen 16 % waren.

2. Hinter der Kamera arbeiten weibliche Fachkräfte in Schlüsselrollen tendenziell häufiger in Teams als Männer

Nach den Daten unserer Stichprobe für den Zeitraum 2016-2020 arbeiteten in Filmcrews tätige Frauen mit größerer Wahrscheinlichkeit als Männer mit anderen Kolleginnen und Kollegen in der gleichen Rolle zusammen; dieses Muster ist in allen betrachteten Kategorien zu beobachten. Betrachtet man Spielfilme, die mindestens eine Drehbuchautorin hatten, so wurden 68 % der Drehbücher mit einer weiteren Fachkraft gemeinsam geschrieben. Dem stehen 57 % bei Filmen gegenüber, die von mindestens einem Drehbuchautor gemeinsam mit anderen für das Kino geschrieben wurden. Daher war es für Drehbuchautorinnen weniger wahrscheinlich als für Männer, allein für das Drehbuch eines Film zu stehen: Nur bei 32 % der Filme wurde das Drehbuch allein von einer Frau geschrieben, während es bei 43 % der Filme von nur einem männlichen Autor stammte.

Aufschlüsselung europäischer Spielfilme nach Geschlecht der Drehbuchschreibenden (2016-2020)

Quelle: Europäische Audiovisuelle Informationsstelle / LUMIERE

Weibliche Fachkräfte waren in unserer Stichprobe in gemischtgeschlechtlichen Teams tendenziell ebenfalls proportional stärker vertreten als Männer. Wenn eine Drehbuchautorin gemeinsam mit anderen Kolleginnen und Kollegen an einem Film arbeitete, dann in den meisten Fällen mit mindestens einem männlichen Kollegen, das heißt in geschlechterparitätischen oder mehrheitlich aus Männern bestehenden Teams im Gegensatz zu mehrheitlich aus Frauen bestehenden Teams. Dieses Muster lässt sich in allen Kategorien feststellen, ist jedoch für Drehbuchschreibende und Produzierende, die häufig in Teams arbeiten, relevanter als für „Einzelkämpfer“ wie Regieführende und Kameraleute.

Im Durchschnitt waren Frauen in allen Gruppen etwas weniger aktiv als ihre männlichen Kollegen. So führten beispielsweise 89 % der Regisseurinnen nur bei einem einzigen Film Regie, während es bei den Männern 83 % waren.

Aus diesen Gründen war der durchschnittliche Anteil der Frauen pro Film sogar niedriger als der Anteil der aktiven weiblichen Fachkräfte in jeder Untergruppe, wenn man das Verhältnis von Frauen und Männern bei allen an den einzelnen Filmen beteiligten Fachkräften betrachtet. So lag der durchschnittliche Anteil von Regisseurinnen und Drehbuchautorinnen pro Film bei lediglich 21 % beziehungsweise 25 %. Es sind jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den europäischen Ländern zu beobachten.

In allen Untergruppen steigt der durchschnittliche Anteil weiblicher Fachkräfte pro Film langsam und war während des in dieser Analyse betrachteten Zeitraums insgesamt stabil.

Durchschnittlicher Anteil weiblicher Fachkräfte pro Film, nach Berufskategorie (2016-2020)

Quelle: Europäische Audiovisuelle Informationsstelle / LUMIERE, Plurimedia

3. Nur wenige Spielfilme wurden von mehrheitlich aus Frauen bestehenden Teams geschrieben oder produziert

Zwischen 2016 und 2020 wurden nur für 18 % der europäischen Spielfilme Drehbücher von einem mehrheitlich aus Frauen bestehenden Team (das heißt von einer Mehrheit weiblicher Fachkräfte in der Rolle der Drehbuchschreibenden) geschrieben. Im Bereich Produktion lag der Anteil der von mehrheitlich aus Frauen bestehenden Teams produzierten Filme bei 30 %. Bei Kamera (10 %) und Komposition (7 %) ist diese Zahl deutlich niedriger.

Berücksichtigt man alle Berufskategorien, so ist der Dokumentarfilm das Filmgenre mit dem höchsten Anteil an Titeln von mehrheitlich aus Frauen bestehenden Teams. In allen Gruppen hat sich der Anteil der Arbeiten von mehrheitlich weiblichen Fachteams im analysierten Zeitrahmen nicht wesentlich verändert.

Anteil der Arbeiten mehrheitlich aus Frauen bestehender Fachteams (2016-2020)

In diesem Zusammenhang bezieht sich „mehrheitlich aus Frauen bestehend“ auf Spielfilme oder audiovisuelle Fiktionsfolgen mit mehrheitlich (≥ 60%) Frauen in den jeweiligen Rollen. Arbeiten mehrheitlich aus Frauen bestehender Teams können von einer einzelnen Fachfrau, von mehreren weiblichen Fachkräften oder von Fachkräften beiderlei Geschlechts mit einem Frauenanteil von mindestens 60% realisiert sein.

Quelle: Europäische Audiovisuelle Informationsstelle / LUMIERE, Plurimedia

 

Methodischer Hinweis

Die in diesem Bericht vorgestellte Analyse stützt sich auf Daten aus der Datenbank LUMIERE der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle, die jährliche Zuschauerzahlen von Kinofilmen aus verschiedenen Quellen, unter anderem von nationalen Filmbehörden, zusammenträgt. Die Stichprobe der Studie umfasst europäische Spielfilme, die zwischen 2016 und 2020 produziert wurden und im selben Zeitraum in die europäischen Kinos kamen. Der Datenbestand enthält nur Filme, für die mindestens eine kommerzielle Vorführung in einem der in der LUMIERE-Datenbank erfassten europäischen Märkte nachgewiesen werden konnte.

Die Analyse betrachtet ausschließlich abendfüllende Filme; Kurzfilmkompilationen und Eventkino-Produktionen bleiben unberücksichtigt.


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