Zum Download „Writers and directors of film and TV/SVOD fiction - 2015-2024 figures“ geht's hier
Eine neue Ausgabe des Berichts “Writers and directors of film and TV/SVOD fiction” wurde gerade von der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle, Teil des Europarats in Straßburg, veröffentlicht. Der Bericht bietet eine Analyse zu fast 39 000 Drehbuchschreibenden und Regieführenden, die zwischen 2015 und 2024 an in Europa produzierten europäischen Kinofilmen und TV-/SVoD-Fiktion beteiligt waren.
Einige zentrale Erkenntnisse dieses neuen Berichts:
- Beträchtliche Fluktuation und hohe Prekarität, vor allem unter Kinofilmschaffenden
- TV/SVOD-Fiktion bietet mehr Aufträge als Kinofilme, allerdings für eine kleinere Anzahl von Fachpersonen
- Brücken zwischen den Sektoren TV/SVoD und Kinofilm
- Das Modell des Autorenfilms für europäische Filme hält sich
Beträchtliche Fluktuation und hohe Prekarität, vor allem unter Kinofilmschaffenden
In jedem Jahr des untersuchten Zeitraums drehten rund 50 % der aktiven Regieführenden von Kinofilmen ihren Debütfilm, was auf eine erhebliche Fluktuation in der Industrie schließen lässt. Tatsächlich wurde 43 % der Drehbuchschreibenden und 41 % der Regieführenden von 2015 danach nie wieder ein neues Film- oder Fernsehprojekt zugeschrieben.
Ganz anders sieht es bei TV-/SVoD-Fiktion aus, wo 85 % der Drehbuchschreibenden und 91 % der Regieführenden von 2015 auch danach weiterarbeiteten.
Was passierte mit den Regieführenden von 2015?

Quelle: Europäische Audiovisuelle Informationsstelle
TV-/SVoD-Fiktion bietet mehr Aufträge als Kinofilme, allerdings für eine kleinere Anzahl von Fachpersonen
Zwischen 2015 und 2024 wurden in Europa mehr Kinofilme als TV-/SVoD-Projekte produziert, es waren jedoch weniger Drehbuchschreibende und Regieführende beteiligt. Fast zwei Drittel der Drehbuchaufträge kamen aus dem Bereich TV-/SVoD-Fiktion. TV-/SVoD-Aufträge waren proportional auch auf weniger aktive Fachpersonen verteilt als Filmaufträge, was auf mehr Wiederholungsaufträge hindeutet. Daraus ergibt sich ein sehr unterschiedliches Aktivitätsniveau für die beiden Inhaltskategorien: Zwischen 2015 und 2024 arbeiteten Drehbuchschreibende an durchschnittlich 1,5 Kinofilmen gegenüber 3,3 TV-/SVoD-Filmen oder ¬ Staffeln.
Anzahl der Drehbuchaufträge für Kinofilme und TV-/SVoD-Fiktion in Europa zwischen 2015 und 2024

Brücken zwischen den Sektoren TV/SVoD und Kinofilm
Nur 11 % aller Drehbuchschreibenden und Regieführenden arbeiteten zwischen 2015 und 2024 sowohl an Kinofilmen als auch an TV-/SVoD-Fiktionsprojekten, was darauf hindeutet, dass Fachpersonen zumeist spezialisiert waren. Ein großer Teil (42 %) der in diesem Zeitraum tätigen Regieführenden bei TV-/SVoD-Fiktion hat jedoch irgendwann in der Karriere auch bei mindestens einem Kinofilm Regie geführt.
Verteilung aller aktiven Drehbuchschreibenden und Regieführenden bei Kinofilmen und TV-/SVoD-Fiktion in Europa zwischen 2015 und 2024

Quelle: Europäische Audiovisuelle Informationsstelle
Das Modell des Autorenfilms für europäische Filme hält sich
63 % der Regieführenden von Kinofilmen führten zwischen 2015 und 2024 nur bei Filmen Regie, die sie auch geschrieben hatten. Es gab nur relativ wenige Aufträge für „alleinige“ Drehbuchschreibende: Lediglich 52 % der Drehbuchaufträge für Kinofilme wurden an Drehbuchschreibende vergeben, die bei dem betreffenden Projekt nicht auch Regie führten.
Dieses Autorenfilmmodell gilt nur für die europäische Produktion von Kinofilmen; bei TV-/SVoD-Fiktionswerken sind die Rollen von Drehbuch und Regie meist getrennt.
Anteil der Drehbuchschreibenden, die nur bei Filmen Regie führten, die sie geschrieben hatten, bei Kinofilmen und TV/SVoD in Europa zwischen 2015 und 2024

Unsere Autorin - Elisa Joliveau-Breney, Film Analyst, Abteilung für Marktinformationen
