Zurück Europäische Film- und Fernsehregisseurinnen ebnen anderen weiblichen Fachkräften der Branche den Weg

Europäische Audiovisuelle Informationsstelle veröffentlicht neuen Bericht über weibliche Fachkräfte in der europäischen Filmproduktion.
Europäische Film- und Fernsehregisseurinnen ebnen anderen weiblichen Fachkräften der Branche den Weg

Female professionals in European audiovisual fiction and theatrical film production: 2015-2025 figures hier herunterladen

 

Die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle, Teil des Europarats in Straßburg, hat gerade eine neue Ausgabe ihres Berichts Female professionals in European audiovisual fiction and theatrical film production: 2015-2025 figures. veröffentlicht. Dieser Bericht analysiert die Geschlechterrepäsentanz für sechs Kategorien von Mitarbeitenden hinter der Kamera: Regie, Drehbuch, Produktion, Kamera, Komposition und Montage.

Dieser neue Bericht besagt:

  • Frauen stellten 2025 27 % der an der Produktion europäischer Kinofilme und 2024 31 % der an der Produktion audiovisueller Fiktion (Fernseh- und Streamingfilme sowie -serien) beteiligten Fachkräfte.
  • Wenn eine Frau Regie führt, werden auch andere Schlüsselrollen eher mit Frauen besetzt.
  • In einigen europäischen Ländern wurde bei bestimmten fachlichen Rollen Geschlechterparität erreicht.

Die Verfasserin des Berichts, Dr. Agnes Schneeberger, Analystin der Informationsstelle für TV- und VoD-Märkte, stellt fest: „Unsere Daten zeigen, dass Regisseurinnen wirklich etwas bewirken können. Sie geben allen Auftrieb, wodurch es wahrscheinlicher wird, dass auch andere Schlüsselrollen mit Frauen besetzt werden.“

Quelle: Europäische Audiovisuelle Informationsstelle mit Daten der European Metadata Group und IMDb-Daten

Hinweis: Der hohe Anteil an Drehbuchautorinnen im Fall, dass eine Frau die Filmregie führt, ist verzerrt. Das liegt daran, dass Regie und Drehbuch eines Films häufig in denselben Händen liegen. Auftrag: Anzahl der Vor- und Abspannnennungen, gewichtet nach der Anzahl der Fachkräfte in derselben Position für denselben Titel.

 

Drei kumulative Faktoren hinsichtlich Geschlechterrepräsentanz in der europäischen Kinofilm- und audiovisuellen Fiktionsproduktion (Angaben zur Crew audiovisueller Fiktionsproduktionen werden auf Basis der einzelnen Folgen erhoben, Angaben zur Crew von Kinofilmen auf Basis des einzelnen Films) gelten für die meisten Rollen:

  • Zunächst einmal gibt es weniger Frauen unter den aktiven Beschäftigten.
  • Die Aktiven erhalten weniger Arbeitsaufträge, und
  • diese Arbeit wird dann häufiger mit anderen Fachkräften gemeinsam ausgeführt (Drehbuchautorinnen schreiben zum Beispiel häufiger im Team als ihre männlichen Kollegen).

Gestützt auf diese Beobachtungen beleuchtet der Bericht die nachfolgenden Trends und zentralen Erkenntnisse.

Es gibt sicher Fortschritte in Richtung Parität, doch sie stagnieren derzeit.

  • Langsamer Fortschritt in Richtung Parität stockt: Seit 2015 ist die Repräsentanz von Frauen um 6 % gestiegen und belief sich 2025 auf 27 % der aktiven Fachkräfte, die an der Produktion europäischer Kinofilme beteiligt waren, sowie auf 31 % derjenigen, die 2024 an der Produktion audiovisueller Fiktion beteiligt waren. Seit 2022 ist der Fortschritt in Richtung Parität jedoch in beiden Sektoren ins Stocken geraten, was auf dauerhafte Hindernisse hindeutet.

Der Anteil der Frauen an den aktiven Beschäftigten spiegelt nicht ihren Anteil an den Arbeitsaufträgen wider.

  • Unterschiede bei den Aufträgen: 2025 übernahmen Frauen 25 % der Aufträge bei Kinofilmproduktionen und 2024 26 % bei audiovisueller Fiktion, was einem Anstieg von fünf bzw. sieben Prozent seit 2015 entspricht. Der Auftragsanteil von Frauen entspricht jedoch nicht ihrem Anteil an den aktiven Fachkräften, sondern ist im Allgemeinen geringer, wobei die Unterschiede bei audiovisueller Fiktion größer sind als bei der Filmproduktion. Dies beruht darauf, dass Frauen seltener arbeiten als Männer und ihre Arbeit häufiger aufgeteilt wird. Zum Beispiel: In einem gegebenen Jahr dreht eine Frau vielleicht einen Film, ein Mann hingegen zwei. Damit besteht zwar Parität unter den aktiven Fachkräften, doch stehen einem Vertrag zwei gegenüber. Solche Verträge können aufgeteilt sein, wovon Frauen häufiger betroffen sind (38 % gegenüber etwa 18–19 % bei Männern).

Die meisten Teams in der europäischen Film- und Fernsehproduktion bestehen mehrheitlich aus Männern.

  • Mehr Raum für Frauen in Teams: Frauen sind eher in teamorientierten Rollen wie Produktion und Drehbuch stärker vertreten. Umgekehrt sind Frauen eher unterrepräsentiert in Rollen, die in der Regel von einer einzelnen Fachkraft besetzt sind, zum Beispiel Regie, Kamera oder Komposition. Doch selbst bei Rollen, in denen mehrere Fachkräfte für Drehbuch oder Produktion eines Films verantwortlich zeichnen, sind die Teams mehrheitlich mit Männern besetzt. 2025 entfielen 12 % der Kinofilmproduktionen auf mehrheitlich aus Frauen bestehende Teams und 11 % auf geschlechterparitätische Teams. Bei der Produktion audiovisueller Fiktion machten 2024 mehrheitlich aus Frauen bestehende Teams 11 % und geschlechterparitätische Teams 14 % aus.

Geschlechterrepräsentanz variiert je nach Beruf.

  • Variation der beruflichen Rolle: Frauen sind sowohl bei audiovisueller Fiktion als auch bei Spielfilmen in den Rollen Produktion, Drehbuch, Montage und Regie stärker vertreten. Bei Komposition und Kamera sind sie jedoch nach wie vor stark unterrepräsentiert. Frauen, die als Regisseurinnen, Drehbuchautorinnen, Produzentinnen oder Kamerafrauen in der Kinofilmproduktion tätig waren, teilten sich die Arbeit häufiger als Frauen, die in denselben Rollen in der AV-Fiktionsproduktion arbeiteten.

Regisseurinnen sind mit ausgewogenerer Geschlechterverteilung in Schlüsselrollen verbunden.

  • Der Regisseurinnen-Effekt: Eine Frau auf dem Regiestuhl ist mit einem höheren Frauenanteil in anderen kreativen Schlüsselrollen verbunden, insbesondere in der Kinofilmbranche, wo dieser Effekt stärker ausgeprägt ist. In der Filmbranche gingen beispielsweise 76 % der Drehbuchaufträge bei Projekten unter weiblicher Regie an Frauen. Dieser außergewöhnlich hohe Wert ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass sich die Rollen Regie und Drehbuch häufig überschneiden. Im Bereich der audiovisuellen Fiktion hingegen, wo diese Rollen voneinander abgegrenzt sind, entfielen 53 % der Drehbuchaufträge für Werke unter weiblicher Regie auf Frauen.

Debütspielfilme sind bei Regie näher an Geschlechterparität.

  • Debütfilm versus Folgefilme: Regiedebüts von Neueinsteigern in der Filmbranche kommen einer Geschlechterparität näher. Über die gesamte Dekade war der Anteil an Debütfilmaufträgen unter weiblicher Regie durchweg höher als bei Folgefilmen. Unter etablierten Regieführenden gibt es jedoch ein größeres Trägheitsmoment: Da Männer historisch gesehen in der Branche überrepräsentiert sind, bilden sie einen größeren Pool an erfahrenen Filmregisseuren, die weiterhin Folgefilme drehen. Das bedeutet, dass zwar unter Neueinsteigern annähernd Parität besteht, die Produktion aufeinanderfolgender Filme insgesamt jedoch weiterhin eher von Männern dominiert wird.

 Das Genre des Dokumentarfilms hat die höchste weibliche Präsenz.

  • Unterschiede zwischen den Genres: Im Durchschnitt übernehmen weibliche Fachkräfte bei Dokumentarfilmen einen höheren Auftragsanteil pro Film als in anderen Filmgenres. 2025 entfielen 35 % der Dokumentarfilmaufträge auf Frauen, gefolgt von 26 % im Bereich Animation und 23 % bei Realspielfilmen. In Bezug auf einzelne Rollen waren Frauen bei Montage (35 %), Produktion (34 %) und Regie (31 %) am stärksten bei Dokumentarfilmen vertreten.

In einigen Ländern wurde in bestimmten fachlichen Rollen Geschlechterparität erreicht.

  • Länder mit einem höheren Anteil an weiblichen Fachkräften: Bei der Kinofilmproduktion 2025 war Österreich das Land mit dem insgesamt höchsten Anteil an Aufträgen, die an Frauen vergeben wurden (46 %). Das Land hat bei den Aufträgen für Regie, Drehbuch und Montage Parität erreicht oder sogar übertroffen. Lettland hat Parität bei der Produktion erreicht. Bei der Produktion audiovisueller Fiktion haben Griechenland und Irland in den Bereichen Regie bzw. Drehbuch Geschlechterparität erreicht. Bei Betrachtung aller Rollen wies Finnland den höchsten Gesamtanteil an von Frauen übernommenen Aufträgen auf (35 %).

 Unsere Autorin - Agnes Schneeberger, Analystin für TV und VoD-Märkte, Abteilung für Marktinformationen

Strassburg 13. Oktober 2026
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